Flure neu denken: Wie Schulen aus Verkehrsflächen wertvolle Lernräume machen

Warum ein kluges Flurnutzungskonzept pädagogische Qualität steigert und räumliche Potenziale hebt

Warum ein kluges Flurnutzungskonzept pädagogische Qualität steigert und räumliche Potenziale hebt

Flure gehören zu den am meisten unterschätzten Bereichen im Schulgebäude. Jahrzehntelang wurden sie primär als Verkehrswege geplant – funktional, aber ungenutzt. Gleichzeitig kämpfen viele Schulen mit Platzmangel, mit ruhigen Zonen für individuelle Förderung, mit Begegnungsorten und mit flexiblen Lernlandschaften, die verschiedene Arbeitsformen ermöglichen.

Ein durchdachtes Flurnutzungskonzept setzt genau hier an: Es verwandelt reine Durchgangsflächen in pädagogische Orte, die Lernen, soziale Interaktion, Ruhe, Bewegung und Orientierung unterstützen. Für Schulen, die ihre Lernumgebung weiterentwickeln möchten, eröffnet die intelligente Gestaltung von Fluren ein enormes Potenzial und das oft ohne große bauliche Eingriffe

Flurnutzungskonzept

1. Warum Flure als Lernorte wichtig sind

Moderne Pädagogik arbeitet mit vielfältigen Lernsettings: von Stillarbeitsphasen über Projektarbeit bis zu kooperativen Formaten oder kurzen Auszeiten. Häufig fehlen dafür geeignete Räume.

Flure bieten hier drei zentrale Chancen:

  1. Entlastung der Klassenräume: Lernende können sich verteilen, sodass Lehrkräfte differenzierter arbeiten können.
  2. Mehr Raum für Selbstständigkeit: Schülerinnen und Schüler nutzen Rückzugsnischen für leise Aufgaben oder kurze Besprechungen.
  3. Lebendige Lernkultur: Präsentationsflächen, Ausstellungsorte oder offene Lernstationen machen Lernen sichtbar und anregend.

Flure werden damit Teil einer aktiven Lernlandschaft, die den gesamten Schulraum produktiv nutzbar macht.

2. Welche räumlichen Maßnahmen Flure zu Lernorten machen

Damit Flure mehr sind als breite Gänge, braucht es klare räumliche Entscheidungen. Nicht jede Schule muss sofort umfassend umbauen – viele Maßnahmen lassen sich schrittweise umsetzen.

Bauliche & räumliche Elemente (Auswahl):

  • Nischenbildung: Kleine Ausbuchtungen oder Möbel, die Nischen markieren, schaffen Orte für 2–4 Personen.
  • Akustikoptimierung: Schallabsorbierende Wandpaneele, Deckenfelder oder Teppichinseln reduzieren Geräuschstress.
  • Sichtbeziehungen: Transparente Türen oder Glaselemente sorgen für Aufsichtsmöglichkeiten.
  • Zonierung durch Boden & Licht: Farb- und Materialwechsel zeigen Lern-, Ruhe- oder Bewegungszonen an.
  • Möblierung: Flexible Einzelelemente, mobile Boards, Podeste oder Sitzboxen.
  • Stauraum: Integrierte Regale reduzieren Unordnung und ermöglichen Materialstationen.
  • Technische Ausstattung: Strom, WLAN und punktuelle Beleuchtung machen das Arbeiten überhaupt erst möglich.

3. Brandschutz: Ein zentraler Rahmen für jedes Flurnutzungskonzept

Wenn Flure zu Lernorten werden, müssen sie trotzdem jederzeit ihre Funktion als Rettungswege erfüllen. Die größte Herausforderung besteht darin, pädagogische Qualität und Sicherheit in Einklang zu bringen.

Daher ist der Brandschutz kein Zusatzthema, sondern ein elementarer Planungsparameter.

Wichtige Grundprinzipien für den Brandschutz:

  • Rettungswege müssen jederzeit frei, sicher und eindeutig erkennbar bleiben.
  • Möbel dürfen den Fluchtweg nicht verengen oder Sichtlinien blockieren.
  • Nicht brennbare bzw. schwer entflammbare Materialien (z. B. nach DIN EN 13501) sind für Wandpaneele, Polster, Podeste oder Vorhänge essentiell.
  • Nutzungszonen klar aus dem Fluchtweg ausrücken:
  • Lern- und Aufenthaltsbereiche werden häufig seitlich angeordnet, sodass der erforderliche freie Durchgang dauerhaft gewährleistet ist.
  • Keine Brandlastansammlungen:
  • Größere Präsentationsflächen, Pinnwände, Materialkisten oder textile Elemente müssen brandschutztechnisch bewertet werden.
  • Abstimmung mit Bauaufsicht und Brandschutzplaner:

Jede Schule, Kommune und jedes Architekturbüro sollte frühzeitig klären, was im konkreten Gebäude erlaubt ist und welche Kompensationsmaßnahmen möglich sind.

4. Warum der Brandschutz kein Hindernis, sondern ein Gestaltungsmotor sein kann

Viele innovative Lösungen im Flurnutzungskonzept entstehen gerade durch die brandschutztechnischen Anforderungen:

  • Nischen, Podeste oder Rückzugsorte werden so positioniert, dass sie Fluchtwege freihalten.
  • Mobiliar wird bewusst leicht, flexibel oder fest verankert geplant.
  • Glaselemente verbessern nicht nur die Aufsicht, sondern auch die Orientierung im Notfall.
  • Materialien werden langlebiger, robuster und emissionsarm ausgewählt.

Gut gelöste Flurkonzepte zeigen: Brandschutz begrenzt nicht – er strukturiert sinnvoll.

Auf welche Aspekte Schulen achten sollten

Ein gutes Flurnutzungskonzept ist kein Möblierungsprojekt – es ist Teil der Schulentwicklung. Pädagogik, Organisation, Architektur und Sicherheit müssen zusammenwirken.

Pädagogisch-organisatorische Aspekte

  • Klärung der Nutzungslogik: Wofür genau sollen die Flurbereiche geeignet sein?
  • Gemeinsame Absprachen zu Aufsicht, Lautstärke und Nutzung.
  • Verankerung im Lernraumkonzept der Schule.
  • Klare Regeln für Ordnung, Arbeitsphasen, Rückzugszeiten.
  • Qualifizierung der Lehrkräfte für offene Lernsettings.

Gestalterische & architektonische Aspekte

  • Räume so gestalten, dass sie Orientierung bieten und nicht überfrachtet wirken.
  • Möbel robust, pflegeleicht und flexibel wählen.
  • Akustik und Licht bewusst einsetzen.
  • Barrierefreiheit und Wegführung berücksichtigen.

Brandschutzbezogene Aspekte

  • Sicherstellen, dass Möbel nicht im Rettungsweg stehen.
  • Nur zugelassene Materialien verwenden.
  • Regelmäßige Abstimmung mit Brandschutzbeauftragten und Schulträger.
  • Klären, welche Bereiche als Aufenthaltsflächen ausgewiesen werden können.
  • Dokumentation der Nutzungsbereiche (z. B. im Brandschutzkonzept).

Organisatorisch-betriebliche Aspekte

  • Reinigung und Pflege realistisch planen.
  • Verantwortlichkeiten für Ordnung festlegen.
  • Regelmäßige Reflexion: Was funktioniert im Alltag
Aspekt Gute Lösung Typische Stolpersteine
Akustik Absorber, Deckenfelder, Zonierung Hall, zu viele harte Oberflächen
Möblierung Robust, leicht, flexibel, stapelbar Dauerhafte Blockaden im Fluchtweg
Sichtbeziehungen Teilverglaste Türen, klare Blickachsen Versteckte Ecken, mangelnde Aufsichtsmöglichkeit
Zonierung Markierte Lerninseln, Bodenwechsel, Lichtzonen „Möbelchaos“, fehlende Struktur
Technische Ausstattung Strom, WLAN, punktuelle Beleuchtung Dunkle Ecken, keine Steckdosen
Nutzungsregeln Klare Absprachen, Ritualisierung, Schülerbeteiligung Unklare Zuständigkeiten, Konflikte
Aufbewahrung & Ordnung Integrierte Regale, Materialstationen Ablagen, die zu Ablagen werden

Fazit: Flure sind wertvolle Lernräume – wenn man sie bewusst gestaltet

Ein gutes Flurnutzungskonzept schafft Mehrwert, ohne neue Räume bauen zu müssen. Es vergrößert die pädagogischen Möglichkeiten, entlastet Klassenräume und stärkt eine offene, flexible Lernkultur.

Für Schulträger und Architekturbüros bietet es einen kosteneffizienten Hebel, die Qualität vorhandener Gebäude spürbar zu verbessern. Für Schulen eröffnet es Freiräume, die sie dringend brauchen: für ruhiges Arbeiten, für Kooperation, für Begegnung und für eine Lernumgebung, die ihre pädagogischen Ziele unterstützt.

Flure sind keine Nebenräume. Sie sind ein aktiver Teil guter Schule – wenn man ihnen diese Rolle gibt.